Was mir noch auf der Palette brennt – Gedanken zu dem Bild

Es sei die Liebe, die Kunst mache, heißt es. Die Botschafterin der Liebe selbst sei die Kunst.Doch ich  frage mich, was ist mit dem Hass?

Ist nicht der Hass eine ebenso starke Motivation? Nicht der persönlich motivierte Hass, der in persönlichen Beziehungen entstehen kann vielleicht, aber der soziale Hass?

Ich bin ihm zuerst nur in Märchen begegnet, bis es zu Zeiten meiner Pubertät zu den Studentenunruhen, dem Aufbruch der Jugend und zur Revolution der Studenten kam. Da sah ich den Hass in den Augen der braven Bürger.  „Bei Adolf hätte es das nicht gegeben“ formulierte des Volkes Zorn beim Anblick von Kriegsgegnern, Hippies, Langhaarigen, um sich anschließend in Forderung nach kollektiven Strafen zu ergehen. Deutsche Gutbürgerliche konnten sich nicht beruhigen vor Spott und Häme über die sogenannten „Gammler.“

Wenige Jahre später begegnete ich erneut dem Hass. Dieses Mal zog er gegen die Emanzen ins Feld. Frauen auf dem Weg zu gleichen Rechten waren des Kleinbürgers größte Angst. Beleidigungen, Agressionen, Verachtung kamen als Billigwitze getarnt von den johlenden Stammtischen bis in die Fernseher und Zeitungen, um diese hysterischen Mannweiber von der vernünftigen Gesellschaft zu separieren. Schon beim Aussprechen des Wortes “Feministin“ verzerrten sich Gesichter in Ekel und Widerwillen, bei Männern nicht selten in spöttisches Imponiergehabe auf niedrigster Kommunikationsebene. Es ging immer unter der Gürtellinie zur Sache, Frauen auf der Suche nach dem heterosexuellen Glück taten gut daran, ihre Weiblichkeit von den Schwestern im Kampfe deutlich distanziert zu dokumentieren.

Und nun, nachdem Umwelt und Friedensbewegung einen vernünftigen Anteil der Bevölkerung wieder zusammengeschweißt zu haben scheinen, sehe ich wieder in Hassfressen. Diesmal sind es Veganer/innen, die Hass auslösen. Menschen, die gar nicht einmal so etwas Böses tun wie Haare lang wachsen zu lassen, protestieren oder gar auf Männer zu verzichten. Sie versuchen ein wenig Tierleid zu vermeiden, nicht mehr. Doch die Fleischfresser jaulen auf, als habe man ihnen auf das Schnitzel gekotzt oder die Wurst geklaut. Keine Comedy lässt es sich nehmen, sich in schalen Witzchen über Fleischkonsum zu gefallen, Veganer als dümmliche Vollidioten hinzustellen und Witze auf ihre Kosten zu machen. Der Hass kommt einfach so daher, die Gesichter von Verachtung und besserwisserischem Abscheu erneut verzerrt. Und ich male meine Bilder in meinem Malerinnenleben ein weiteres Mal in einem Umfeld aus Hass.

Und irgendwie ist es mir jetzt zu bunt, ich werfe jonglierend mein Können in den Ring und lächle frech. Ich hasse zurück.

Bilder 3

Baum der Erkenntnis

Baum der Erkenntnis

Kunst darf alles. Darf packen, langweilen, dekorieren, verstören, fragen oder trösten, ekeln oder freuenmachen. Kunst ist frei.
Alle Schaffenden suchen darin eine eigene Sprache, Konzept und Intension einzubringen. Die meine ist es, kluge Bilder zu malen. Solange die Menschen so töricht sind, ich eingeschlossen, und ich malen und leben darf . Dazu verwende ich die Verlockungen des Handwerks, strahlende Farben, witzige Titel, Sinnlichkeit oder die Hoffnung auf Trost. Mit durchtriebener Pinselspitze nehme ich meine Zeit mit auf die Reise in die Zukunft, die nach Rechtfertigung fragen wird. Sicherlich werden meine Verstandesbetörungen als illustrativer Manierismus beiseite gelegt, meine Weiblichkeit zur Urheberin verurteilt sein. Es wird mir, auch posthum, recht sein, denn die patriarchale Betrachtung der Kunstgeschichte hat sich mir schon zu Malzeiten in ihrer kapitalistischen Verteidigung von Pfründen als Lügenkonstrukt offenbart, auch mit einigen Quotenfrauen als Verpackung, bei denen die malende Männlichkeit elegant dafür gesorgt hat, dass sie ungefährlich blieben, wenn die Pfründe verteilt wurden. Es vermag mich nicht zu beirren, es motiviert meinen Mut, verwöhnt meine Ansprüche.
Und so macht mein Baum der Erkenntnis nicht nackt, er zeigt uns als Narren. Das macht mir Adam und Eva, auf unsere Weltentwicklung bezogen, glaubwürdiger als der Blick einer männlichen Gottheit auf eine weibliche „Scham“. Oder liegt sie schon da, die Verurteilung der einen Menschheitshäfte, als Apfel im Schoß der Männlichkeit? Damals, als der männliche Part gottgefällig, etwas dümmlich verführbar oder eben ein Mörder war und die weibliche Seite zur Verführerin zum Gebären unter Schmerzen verurteilt wurde? Wie ein Manifest weist diese Uridee bereits der Kunstgeschichte den einzuschlagenden Weg. Ihre Akzeptanz wurde inquisitorisch verfolgt. Genau hier nimmt meine Pinsel die Spur auf . Hier schaue ich hin und lasse den Baum ein wenig verrotten, gleiche die Narren einander an. Es macht mich zufrieden, meiner Zeit etwas zu erwidern.Bilder 2

Schall und Rauch

 
Schall und Rauch
Am Anfang steht die Ruhe, die Fläche der Nebel. Eine Einladung, den BetrachterInnen Raum und Zeit zu einem eigenen Einstieg zu ermöglichen. Meine Intentionen, die dabei keine Rolle spielen sollen, stehen nur in den seitlichen Kulissen bereit. Ähnlich den TänzerInnen, die sich für ihren Auftritt warm machen, aber noch nicht an der Reihe sind und ungeduldig warten, bis das Szenenbild für sie bereit ist.  
Sodann dringen die Nebel herein, die uns zu gern blind machen, Konsum, Erfolg, Ruhm, Schönheit, Anerkennung – die Vorhänge der Eitelkeiten, so unbeschreiblich nichtig. Nichts haben wir, nichts werden wir behalten, wozu also des Lebens Aufwand noch? Was bleibt, ist das Lächeln, das Lieben, das Geschützte, das noch eine Weile besteht, wenn wir uns schon abwenden. Jede gereichte Hand erreicht eine Andere, jedes Nichtgetretene kann ausschlagen und wachsen.
Die Ebenen, ähnlich dem Aufbau von Renaissance Bildern, lassen keine  Farbperspektive gelten, sie beharren darauf, gesehen zu werden, wenn zerschmetterte Bauten zu Schlössern werden, weil wir sie mit Inhalten und Zuneigung pflegen. 
Wir besitzen den reichen Schatz eines Meeres von Vergessenheit, Dinge oder Gedanken, Kulturen oder Erinnerungen zu bergen und durch Sichtbarmachung neu zu beleben, zum Schutz vor eigener Dummheit hervorzuzeigen. 
Das Bild entstand in meinem Kopf, wie jedes andere auch,  lauerte dort, um gemalt zu werden. Die Gedanken kamen bei dem Betrachten von Bildern im DRK-Museum in Vogelsang, deren Botschaft mich berührt hat: Mit der Freude am Miteinander ist zu lindern, ist hinzusehen leichter und, letztlich vergeht diese Energie nicht in Schall und Rauch. In ihren Raffinerien der Gemeinschaft entstehen mehr Düfte als Qualm, mehr Wolkenbilder als Smog, bildet sich ein Lebensentwurf geistiger Lust, ja, die gibt es!  
 
Schall und Rauch
 
 
Schall und Rauch
Öl auf Leinwand
200 x 140 cm